GIRLS
Was kam zuerst, die Frau oder die Tragödie?
Einschlägige Religionspublikationen haben da klare Antworten, aber wirklich sicher ist lediglich, dass eine Tragödie ohne Frau nur halb so schön ist, wenn überhaupt.
Denn Frauen waren schon immer die dankbarsten Projektionsflächen: die keusche Schutzsuchende, die teuflische Hexe, die ungebundene Geliebte, die wilde Rothaarige, die nationale Mutter, die beschränkte Blonde, die leidenschaftliche Spionin, die gütige Heilige, die allmächtige Göttin.
Unmöglich, sich zwischen Scheiterhaufen, Liebesdienst, Machtfülle und Schwangerschaft einigermaßen normal entscheiden zu können.
Ist die Suche nach wirklich freien Frauen schon immer eine Suche nach einem Trugbild gewesen? Und sollten wir sie deshalb aufgeben?


STATIONS
Was gibt es Neutraleres als Bahnhöfe, Demokratischeres als Trambahnstopps und Leidenschaftsloseres als Bushaltestellen!
Was gibt es Sichereres als Abfahrten und Folgerichtigeres als Ankünfte?
Was gibt es Klareres als Transits und Strukturierteres als Umstiege!
Was gibt es Zielgerichteteres als Warten?


Erliegen wir nicht wieder unserer Projektionsfähigkeit! Machen wir uns endlich auf die Suche nach den GIRLS & STATIONS! Und finden wir sie! Im Abfahren und Ankommen.


GIRLS & STATIONS bespielt vornehmlich die Transitorte in Städten, die einen Mädchenname tragen: Mercedes in Argentinien, Clara in Irland, Birka in Schweden, Unna in Deutschland, Arna in Norwegen, Claudia in Brasilien, Malina in Polen, Martina in der Schweiz, Leika in Griechenland, Paola in Italien, Sofia in Bulgarien und Charlotte in den USA. Dabei sind konfessionelle Zusätze, wie bespielsweise Santa Maria, oder geographische Ergänzungen, wie beispielsweise Ekaterinenburg, ausgeschlossen.


ENSEMBLE
Die ortsspezifischen Bespielungen werden jeweils von einem Ensemble bestritten, das zu mindestens 50% aus Spielerinnen gebildet wird, die den jeweiligen Ortsnamen tragen. Daraus ergibt sich für jede Aufführung eine neue Kombination aus professionellen künstlerischen Menschen, unterschiedlichster Genres, Herkünfte und Generationen.
Während das übergeordnete Kompositions- und Gestaltungsprinzip Unwägsamkeit ist, heißt die Gattung im weitesten Sinne Singspiel, denn die Stimme haben alle Spielerinnen und Spieler gemeinsam.


EXTRA 1: DIE RHEINTÖCHTER
In Nordrhein-Westfalen wird zusätzlich drei weiteren Damen gehuldigt: Wellgunde, Woglinde und Floßhilde. Hier ist der Rhein die örtliche Klammer.
In NRW werden die Ensembles nach selbigen Prinzip aus den Namenstämmen (Gunde, Linde, Hilde) gebildet.


EXTRA 2: BOYS DON'T CRY
Der Verdacht eines Gender-Projektes ist auszuschließen, auch wenn drei Quotenjungs nicht fehlen dürfen: Vicente in Lissabon, Casanova in Italien und Schiller in Deutschland: mit dem Einen spielten die Raben, mit dem Nächsten die Abenteuer und dem Dritten wird immernoch mit Preisen übel mitgespielt. Dabei sollen alle drei von der Vorverurteilung und Reduzierung durch die Geschichte befreit werden.