LÜNEBURGER HEIDE
VISION DER ERSTEN HÖRBAREN FARBE

Sa 15. Juni 2013 · 19.30h
St. Johannis Kirche
Große Straße · 27374 Visselhövede

RE-LOAD FUTURA
Rochus Aust · Komposition/Raumordnung/Flügelhorn
Jonas Baeck · Stimme
Florian Zwissler · Synthesizer/Orgel/Klangregie


VISION LÜNEBURGER HEIDE
Blasslila war gestern, Grün war gestern und Weiß war noch nie eine Farbe.
Nachdem sämtliche Marketingabteilungen der Welt sämtliche Farbmischungen und Sonderfarben als Logos, Icons, Buttons und Apps meistbietend gebrandet haben, nachdem Kinder nicht mehr in Farbschattierungen, sondern in AOK-grün, ADAC-gelb, ARAL-blau und COLA-rot sozialisiert worden sind, befreien sich ausgerechnet die Lüneburger von ihrem Farbimage und wagen die Revolution des Sehens: X3_17/17* - die Farbe der Farben.
Ein Verfahren aus Entwicklung und Entdeckung, Raumfahrt-Technologie und Alchemie, jenseits von Pigmenten und Spektren, einzig und allein Schwingung: Die erste hörbare Farbe der Welt.

Das Liliput-Pigment X3, ein sporadischer Rest dehydrierter Menüs (genauer genommen der Space Cookies/NAS 9-557) aus der Gemini-Ära** war Experimentierstoff für die spektralphotometrische Farbortung und führte zum Transfer in spektralphonotropische Wellenströme. Diese Entdeckung wurde zunächst als Spektral-Alchemie verlacht, da sie für die Zeit, in die sie fiel, so überhaupt keinen Sinn ergab, mit Ausnahme der Entdeckung selbst.
Heute, in Sachen Farbbranding Lichtjahre später, sind es vor allem die derzeitig marktagressiven Farbvereinnahmungen, die die Suche nach einer neuen Farbcodierung geradezu notwendig erscheinen lassen. Die Entscheidung, sich von beiden Seiten – photometrisch und phonotropisch – experimentell zu nähern, mag ein aleatorisch-intuitiver Glücksgriff gewesen sein. Sein Erfolg gibt denen Recht, die sich immer für den dualen Forschungsweg eingesetzt haben, auch wenn er in seiner Konsequenz zunächst an die willkürliche Verbrennung von Forschungsgeldern grenzte.

*Mit dem Farbabstand DeltaE=17 wurde die weltweit erste hörbare Farbe entwickelt. Und es erstaunt kaum, dass dieser Farbabstand letztendlich auf das pythagoreische Komma hinausläuft (ein Intervall im Verhältnis 531441:524288). Dennoch steht diese (haarspalterisch-technische) Analyse kaum im Verhältnis zur poetischen Kraft der Entdeckung. Und wie sollte es auch anders sein: Noch bevor die hörbare Farbe ihre klare Sichtbarmachung erfährt, buhlen schon die ersten Automobilproduzenten um die Nutzung.
Um den üblichen Industriespionen und Patentjustiziaren aus Werbung und Produktion zuvorzukommen, hat sich das Forschungsteam zur Teilnahme am Visionen-Wettbewerb entschieden, auch wenn die Realisation der Vision sehr voraussichtlich weniger als 50 Jahre benötigen wird. Sollte die Sichtbarmachung vorher eintreten, wird die Welt 2063 schon eine gänzlich andere sein.

**zweites bemanntes Raumfahrtprogramm der Vereinigten Staaten